Der Vorwurf einer drohenden «FDP-Übermacht» im Gemeinderat verkennt die Realität unserer direkten Demokratie. In Wettswil entscheiden nicht Parteien, sondern die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger. Wer gewählt wird, erhält sein Mandat vom Volk – und ist diesem verpflichtet, nicht einem Parteivorstand.
Dass die «FDP-Die Liberalen» erneut drei Kandidierende nominiert, ist weder ungewöhnlich noch anstössig. Jede Partei und auch Parteilose haben das Recht, Personen für ein Amt vorzuschlagen. Eine Auswahl zu bieten, ist kein Machtanspruch, sondern Ausdruck demokratischer Offenheit. Entscheidend ist am Ende die Qualifikation und das Vertrauen, nicht das Parteibuch.
Die Behauptung, bei einer Wahl aller drei FDP-Kandidierenden hätte «der gesamte Vorstand der Ortspartei direkten Einfluss» auf die Gemeinde, konstruiert ein Szenario, das unserer politischen Kultur nicht gerecht wird. Gemeinderätinnen und Gemeinderäte sind ihrem Amt verpflichtet und treffen Entscheide im Gremium. Kollegialität, Sachorientierung und das Ringen um die beste Lösung für Wettswil stehen im Vordergrund. Politische Zugehörigkeit bedeutet nicht Automatismus oder Gleichschritt.
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Parteizugehörigkeit schafft Transparenz. Wer für eine Partei kandidiert, bekennt sich zu klaren Grundwerten und politischen Leitlinien – ob liberal, sozial, grün oder konservativ. Wählerinnen und Wähler wissen damit besser, wofür jemand grundsätzlich steht. Bei parteilosen Kandidaturen ist diese Einordnung naturgemäss schwieriger. Man wählt stärker eine Person, ohne deren politische Verortung klar einschätzen zu können – im übertragenen Sinn eher die «Katze im Sack». Das mag im Einzelfall gut gehen, erschwert aber die demokratische Orientierung.
Zudem zeigt die Erfahrung der vergangenen Jahre, dass FDP-Vertreter Verantwortung übernehmen, tragfähige Kompromisse suchen und die Anliegen der gesamten Bevölkerung im Blick behalten – von soliden Finanzen über eine starke Schule bis hin zu einer massvollen Entwicklung unseres Dorfes. Gerade in herausfordernden Zeiten braucht es Verlässlichkeit und Erfahrung.
Vielfalt entsteht nicht allein durch unterschiedliche Parteifarben, sondern durch unterschiedliche Perspektiven, Berufe, Lebenswege und Kompetenzen. Auch innerhalb einer Partei gibt es verschiedene Haltungen und Schwerpunkte. Wer von vornherein eine einseitige Dominanz unterstellt, blendet diese Differenzierung aus.
Selbstverständlich dürfen und sollen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger kritisch prüfen, wem sie ihre Stimme geben. Doch Angst vor einer «Übermacht» ist kein sachliches Argument. Vertrauen wir auf die Mündigkeit der Wählenden – und darauf, dass der neu gewählte Gemeinderat gemeinsam, respektvoll und im Interesse von ganz Wettswil handeln wird.
FDP Wettswil – für den Vorstand, Peter Ambühl, Präsident